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Im Fadenkreuz der Fotografie

Quelle: Verdener Nachrichten, Jörn Dirk Zweibrock, 12.02.2019

Rotraud Scholz und Uwe Jöstingmeier stellen ihre Marionetten im Müllerhaus Brunsbrock aus. Die Schau ist bis zum 17. März zu sehen.

Kongeniales Team: Fotograf Uwe Jöstingmeier und Marionettenbauerin Rotraud Scholz. (Focke Strangmann)

Die beiden sind einfach ein kongeniales Team. Sie, die Marionettenbauerin aus dem Verdener Fischerviertel, und er, der Hobbyfotograf aus Schwarme. Seit rund fünf Jahren arbeiten sie nun schon zusammen, entwickeln ihr gemeinsames Projekt „An Fäden“ ständig weiter. Dabei rückt er ihre Marionetten mit seiner Kamera ins rechte Licht. Ab diesem Sonntag, 17. Februar, stellen Rotraud Scholz und Uwe Jöstingmeier im Müllerhaus Brunsbrock an der Schmomühlener Straße 9 aus. Die Vernissage zur Ausstellung beginnt um 15 Uhr.

„Es ist schon wirklich eine Herausforderung, 80 Zentimeter hohe Kunstfiguren zum Leben zu erwecken“, weiß Uwe Jöstingmeier, wie schwierig es doch eigentlich ist, Marionetten in Szene zu setzen. Dennoch ist es ihm bislang immer wieder gelungen. Damit er die markanten Gesichtszüge der Marionetten richtig einfangen kann, hängt er die Kunstfiguren aus dem Atelier von Rotraud Scholz erst an einem Teleskopstiel auf, befestigt dann später alles an einer haushaltsüblichen Klappleiter.

Zu Beginn des Projekts „An Fäden“ wurden die modelnden Marionetten noch in Verden fotografiert. Doch mit der Zeit packte sie einfach das Fernweh. Und so reisten die Kunstfiguren für weitere Aufnahmen an den Ostsee-Strand, gastierten in der Hamburger Elbphilharmonie und besuchten Lüneburg. „Aktuell sind die Marionetten für weitere Aufnahmen in einem Moor unterwegs. Die Mission im Morast ist allerdings noch längst nicht beendet“, verrät das Duo. Die Schau im Müllerhaus solle einen kleinen Vorgeschmack auf die neuen Aufnahmen bieten.

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert stellte Rotraud Scholz ihre erste Marionette her, anschließend pausierte sie lange Zeit, bis sie ihr Hobby endlich wieder aufnahm. Seit 2014 fertigt sie ihre filigranen Kunstfiguren nun schon in der heimischen Werkstatt im Verdener Fischerviertel. Mehr als fünf Marionetten pro Jahr erweckt sie aber nicht zum Leben. „Ich fange zuerst mit dem Kopf an“, erzählt die Kreative von der Geburtsstunde einer Marionette. Aus Plastiform und mit viel Liebe zum Detail modelliere sie also zu Beginn das Antlitz ihrer Kunstfiguren. Anschließend bemale sie die Gesichter, verleihe ihnen damit den unverkennbaren Ausdruck. Hat die Verdenerin aus der Modelliermasse den Kopf geformt, weiß sie erst, welcher Charakter sich hinter der neuen Marionette verbirgt. „Die Figuren entwickeln dann quasi ein Eigenleben“, erzählt die Marionetten-Mutter vom langen Schöpfungsprozess einer Kunstfigur. Im Vordergrund stehe für sie aber immer der Charakter, der von besonderem Interesse sei. „Es ist auch für mich oft spannend zu sehen, wer da gerade entsteht – und sich möglicherweise so gar nicht an den ursprünglichen Plan hält“, erzählt Rotraud Scholz. Die Arbeit der Verdener Kunsthandwerkerin ist vielfältig. Ist der Korpus genäht und mit Füllwatte ausgestopft, befestigt die Marionettenbauerin die Fäden am hölzernen Spielkreuz, lässt anschließend die Puppen tanzen.

„Marionetten sind nun einmal keine Anzieh-Puppen“, erklärt Rotraud Scholz, dass ihre Figuren nicht einfach so wie eine Barbie ihre Kleider wechseln können. Den Stoff, den sie für das Benähen der Figur benötigt, gewinnt die Kreative oft aus alten Kleidungsstücken. Dafür sammelt sie bewusst besonders dekorative Textilien. „Manches liegt lange in meiner Sammlung, bis es dann plötzlich für eine Figur an Bedeutung gewinnt.“ Inzwischen gibt die Kunsthandwerkerin aus Verden ihr Wissen auch an Interessierte weiter und steckt sie so mit dem „Marionetten-Virus“ an.

Die Ausstellung im Müllerhaus, Schmomühlener Straße 9 in Brunsbrock, ist bis zum 17. März jeweils sonntags in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr zu sehen

Vom Müllerhaus direkt nach Indien

Auf höchst unterhaltsame und interessante Art und Weise stellte Uwe Panten gestern in der gut gefüllten “Großen Diele” des Müllerhauses sein Buch: “Indien unmmöglich – India impossible” vor. Er gab Einblick in das alltägliche Leben und schilderte sehr anschaulich seine Erlebnisse während seines mehrjährigen Aufenthalts. Es gab auch eine kleine kulinarische Kostprobe: Seine Frau hatte ein indisches Dhal (Linsengericht) mitgebracht, von dem die Besucher probieren konnten. Zum Abschluß bedankte sich Marita Ahrens vom Kulturkreis Lintelner Geest für den Vortrag mit einem kleinen Präsent.

Die nächste Lesung findet am 10. März 2019 wieder um 16.30 Uhr statt. Dann wird Uwe Spannhake aus seinem Buch “Aus dem Leben” vorlesen.